Clanchef spielt mit den Muskeln

Horst W., Chef des deutschen Polizeiclans, lässt im hiesigen Ethnoblättchen LVZ die Muskeln vor Silvester spielen. Bereits die vergangenen Jahre haben Clanmitglieder von W.’s Gang, die von anderen Deutschen auch „Cops“ genannt werden, am Kreuz für Unruhe gesorgt. W. spricht sich im Interview offen für Selbstjustiz aus. Mehrfach ist die Rede davon, dass er und seine Jungs für „Sicherheit und Ordnung“ sorgen wollen. Dass dies eine Farce ist und seit Jahren Menschen darunter leiden müssen, dass der rigide Polizeiboss zu Silvester seine Machtansprüche auch mittels Gewalt durchzusetzen versucht, dürfte allen klar sein. Aus Dokumentationszwecken folgend das Interview mit W.:

Silvester am Connewitzer Kreuz – 2009 war dies eine vergleichsweise friedfertige Veranstaltung. Und dieses Jahr? Leipzigs Polizeichef Horst Wawrzynski schließt Angriffe auf seine Beamten nicht aus. Im LVZ-Interview spricht er über Versuche der Autonomen, den Staat herauszufordern.

Frage: Herr Wawrzynski, sind Schneeballschlachten am Connewitzer Kreuz wie am 29. November harmlose Events der alternativen Jugendkultur?
Horst W.: Es wird tatsächlich so dargestellt, als ob das nichts Schlimmes sei. Aber schon das Okkupieren des Straßenraumes stellt eine Ordnungswidrigkeit dar. Und der Angriff mit einer Bierflasche auf den Autofahrer, der durch die Glassplitter verletzt worden ist, das ist eindeutig eine Straftat.
Weshalb gab es dann an diesem Abend keinerlei Identitätsfeststellungen oder gar Festnahmen?
Dazu waren wir zahlenmäßig nicht in der Lage. Das ist bei solchen Ad-hoc-Lagen immer das Problem. An dem Abend sind ja sogar Kollegen aus Sachsen-Anhalt rübergekommen. Da bleibt uns nur übrig, die Lage zu bereinigen und wieder ein Stück Normalität herzustellen.
Aber eine solche Normalität ist in der Connewitzer Szene offenbar nicht gewünscht. Bei diesen Schneeballschlachten gehe es auch „um die Aneignung des öffentlichen Raumes“, heißt es auf der linksalternativen Online-Plattform Indymedia. Der Regelübertritt geschehe ausdrücklich „in einem Bereich, der der staatlichen Kontrolle unterliegt“, gemeint ist die Polizeikamera.
Durch solche Aktionen versucht man, den Anspruch des Staates, öffentliche Sicherheit und Ordnung gewährleisten zu müssen, ganz bewusst in Frage zu stellen. In dem Moment, wo sich daraus Straftaten ergeben, ist das geordnete Zusammenleben der Menschen gefährdet. Und das wird eben ganz bewusst gemacht.
Dabei hatten Sie doch jüngst eine gewisse Beruhigung innerhalb der linken Szene festgestellt, es gebe sogar Kommunikation mit der Polizei. Waren Sie zu optimistisch?
Die Frontenstellung die in den vergangenen Jahren gegenüber der Polizei in Leipzig bestand, hat sich, so glaube ich, schon ein Stückchen verändert. Kommunikation in dem Sinne, dass wir unmittelbar miteinander sprechen, die hat es bisher nicht gegeben. Jetzt gibt es einzelne Personen, mit denen man Gespräche führt.
Aber bis zum letzten Hardliner werden Sie wohl niemals vordringen?
Ich glaube nicht, dass jene, die den Staat in seiner Struktur ablehnen, jemals gewillt sind, offene Kommunikation mit uns zu führen. Dann würden sie ja möglicherweise ihre eigene Anschauung in Frage stellen. Und so weit wird es wohl nicht gehen. Aber ich hoffe, dass durch die entspanntere Atmosphäre auch das Zusammenleben der normalen Bürger und derjenigen, die den Staat herausfordern und in Frage stellen, ein bisschen vernünftiger wird.
Im Sinne einer entspannten Atmosphäre wiesen Sie bei manchen Demos von Linksextremen an, dass statt rustikaler Einsatzkombi die normale Dienstuniform zu tragen ist. Bringt derlei optische Abrüstung etwas?
Ich glaube schon. Dadurch lässt sich das Feindbild, dass die Polizei in manchen Kreisen darstellt, etwas verändern. Es wird gesehen, dass es ganz normale Menschen sind, die für öffentliche Sicherheit und Ordnung sorgen. Durch Helm und Schutzausrüstung sind die Beamten mehr anonymisiert. Man sieht das Gesicht nicht, kann schwerer kommunizieren. Außerdem entsteht dadurch der Eindruck: Die sind geschützt, auf die kann ich einschlagen, auf die kann ich Steine werfen, denen passiert ja nichts. Es ist auch eine Frage der Würde der Kollegen, die sich so behandeln lassen müssen.
Werden Ihre Einsatzkräfte in der Silvesternacht auch ungeschützt agieren?
Nein, das können wir nicht verantworten. Wenn Kollegen verletzt werden, muss ich mich fragen lassen, weshalb ich angewiesen habe, keine Schutzausstattung zu tragen. Das ist ein ganz heikles Thema. Abgesehen davon: Manche Kollegen haben durchaus Angst, dass sie nicht gesund nach Hause kommen, wenn sie in einen solchen Einsatz gehen. Es ist einfach zu unsicher und nicht abzuschätzen, wie diejenigen, die in der Vergangenheit Gewalt gesucht haben, auf so ein verändertes Auftreten von uns reagieren. Da habe ich nicht das tiefe Vertrauen, dass alles in Ordnung geht.
Silvester bleibt also ein Sonderfall, bei dem man Sorge um die Gesundheit der Beamten haben muss?
Eindeutig ja.
Wie bewerten Sie Äußerungen aus der linksextremen Szene, wonach man der Polizei am Connewitzer Kreuz „entschlossen und konsequent einen Platzverweis erteilen“ wolle?
Das sind vereinzelte Stimmen von Leuten, die sich so etwas auf die Agenda schreiben. Eines wird nicht geschehen: Dass wir rechtsfreie Räume zulassen, dass wir uns zurückziehen werden. Das darf einfach nicht passieren. Ich kann nur davor warnen, die offene Auseinandersetzung mit uns zu suchen. Es ist keine Frage, dass wir Straftaten, Gewalttaten, Übergriffe auf fremdes Eigentum in keiner Art und Weise dulden werden. Da werden wir nach wie vor ganz konsequent bleiben. Dazu sind wir auch gesetzlich verpflichtet.
In der Silvesternacht sind ja am Kreuz keineswegs nur radikale Chaoten, sondern in der Mehrzahl friedlich gestimmte Leute, oder?
Da ist richtig, wir haben jedes Jahr eine sehr hohe Anzahl ganz normaler Menschen dort. Bei der Schneeballschlacht Ende November waren ja auch nicht 500 Gewalttätige, das muss man ganz klar sagen.
Weshalb sind die vergleichsweise wenigen Störer dann so gefährlich?
Sie bekommen Mitläufer, die meist alkoholisiert sind. Außerdem ist es schwierig, diesen harten Kern herauszugreifen, weil sie in der Menge der anderen Schutz suchen, in der Anonymität abtauchen.
Wie groß ist dieser harte Kern der gewaltbereiten Autonomen?
Der ganz extreme Bereich umfasst 50 bis 70 Personen. Es gibt eine hohe Fluktuation. Bekannte Gesichter sieht man nicht mehr bei solchen Ereignissen, vielleicht bedingt durch persönliche Lebensumstände, neue Gesichter kommen hinzu.
Manche sagen, die Polizei solle sich Silvester vom Connewitzer Kreuz fernhalten, dann passiere schon nichts.
Es wundert mich, dass die Frage der Eskalation immer an der Präsenz der Polizei festgemacht wird. Nehmen wir beispielsweise die Schneeballschlacht am 2. Januar …
… als Chaoten mit Pflastersteinen, Flaschen und mit Glasscherben gefüllte Schneebälle auf den Rewe-Markt am Kreuz geworfen haben…
… auch da hieß es zunächst: Erst als die Polizei kam, haben wir den Markt plattgemacht. Doch diese Übergriffe haben sich nach Aussagen des Marktleiters schon ereignet, als unsere Kollegen noch gar nicht vor Ort waren.
Welche Vorbereitungen auf die Silvesternacht sind mit der Stadt bereits abgesprochen?
Es werden wieder alle Baustellen in dem Bereich abgesichert und Werbeträger eingesammelt. Auch Müllcontainer, die in den vergangenen Jahren zum Barrikadenbau genutzt wurden, sollen weggeschafft werden. Und wir werden den Anwohnern dringend empfehlen, ihre Autos etwas abseits zu parken, um Schäden möglichst zu vermeiden.
Wie groß wird das Polizeiaufgebot sein?
Wir werden mit der gleichen Kräfteanzahl wie vergangenes Jahr vor Ort sein. Allerdings müssen wir auch im übrigen Stadtgebiet Präsenz zeigen. Da hatten wir ja in den vergangenen beiden Jahren verstärkt Auseinandersetzungen von unterschiedlichen Personengruppen zu verzeichnen. Ein Schwerpunkt ist der Südwesten …
… wo Chaoten in der vorigen Silvesternacht die Sparkasse in Großzschocher angegriffen und Scheiben eingeschlagen haben.
Dort werden wir in diesem Jahr von Anbeginn einen Einsatzschwerpunkt haben.

Interview: F.D.


2 Antworten auf „Clanchef spielt mit den Muskeln“


  1. 1 tee 24. Dezember 2010 um 5:49 Uhr

    bei der letzten antwort hat er natürlich verschwiegen, dass es sich augenscheinlich um „die rechte szene“ handelte, die in antikapitalistischer absicht die sparkasse plattmachte. was ich ihm jedoch zugute halte, hat er sich schliesslich nicht wirklich auf die linksextremismus-fragestellungen der lvz eingelassen.

  2. 2 Dr. Satori 25. Dezember 2010 um 15:19 Uhr

    Passend zur Thematik dieses Blogs:
    http://www.wundervolles-leipzig.de

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